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Überkreuzspende: In vielen Ländern praktiziert, in Deutschland nicht. Das wollen wir ändern, damit weniger Menschen sterben müssen.

Stellungnahme vom 5. April 2019

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat 2017 in einem Gutachten zur anonymen Überkreuzspende dargelegt, dass derartige Programme in 11 europäischen Ländern seit vielen Jahren gängige Praxis sind, und zwar in Bulgarien, Estland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Litauen, den Niederlanden, in Österreich, der Schweiz, in Spanien und Ungarn. In Deutschland sind dagegen Organspenden nur unter nahestehenden Personen erlaubt – eine Voraussetzung, die nur ausnahmsweise gegeben ist.

Wie funktionieren Überkreuzspenden? Nehmen wir an: Die Partnerin bei einem Paar A ist schwer nierenkrank, verträgt die Dialyse schlecht, die Wartezeit auf ein Organ eines verstorbenen Spenders ist lang und ungewiss. Ihr Partner wäre bereit, ihr eine Niere zu spenden – aber Spender und Empfänger sind medizinisch inkompatibel, so dass die Organtransplantation mit erheblichen Nachteilen für den Empfänger verbunden wäre.

Roter Pfeil: Spende medizinisch nicht möglich oder für den Empfänger nicht ratsam.

Grüner Pfeil: Spende medizinisch möglich und vorteilhaft für den Empfänger

Wenn nun ein Paar B dasselbe Problem hat, besteht die Möglichkeit, dass beiden Paaren durch eine Überkreuzspende geholfen werden kann. Die Niere des Spenders von Paar A geht an den Organpatienten des Paares B — und umgekehrt.

Der Einwand, durch eine Überkreuzspende werde Organhandel gefördert, ist völlig unplausibel, denn es gibt ja ein gegenseitiges ausgeglichenes Geben und Nehmen. Für eine Geldzahlung besteht also kein Anlass, da keines der Paare in der Schuld des anderen Paares steht. Für eine Zahlung besteht auch keine Möglichkeit, denn bei den praktizierten Überkreuz-Programmen kennen sich Empfänger und Spender nicht. Zudem entscheidet – wie bei jeder Lebendspende -- letztlich eine Ethikkommission, ob die Transplantation durchgeführt werden darf.

Den Einwand, dass auf den Spender ein emotionaler Druck ausgeübt worden sein könnte, muss man dagegen ernst nehmen. Es ist aber hier nicht anders als bei jeder Lebendorganspende. (Daher muss man die postmortale Organspende stärken, z.B. durch die Widerspruchslösung.)

Die Möglichkeit, spendenbereiten Paaren zu helfen, ist umso größer je besser die Organe zusammenpassen. Und das hängt wesentlich von der Zahl der Paare ab, die sich für das Überkreuz-Programm angemeldet haben. Wir haben daher für Paare eine – natürlich gesetzeskonforme – Möglichkeit geschaffen, ihr Interesse an der Teilnahme an einer Überkreuzspende zu bekunden.

Spendenwillige Paare können sich kostenlos eintragen unter: https://crossover-nierenspenderliste.de

In folgendem Link https://www.stern.de/gesundheit/organspende-niere-ringtausch-tausch-simone-reitmaier-6939720.html erfahren Sie etwas über den mühsamen Weg, den eine deutsche Familie gehen musste, um die kranke Tochter durch eine Überkreuztransplantation in Spanien von ihrem Organleiden zu befreien.

Wir fordern, das Transplantationsgesetz so zu ändern, dass Überkreuzspenden auch in Deutschland möglich werden. Ganz einfach: So, wie es die vielen anderen Länder uns vormachen.

Dr. Rigmar Osterkamp, Gründungsmitglied


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Eine Mahnung von 1970 (!) -- leider immer noch angebracht

"Bei der Organtransplantation muss die Gesellschaft letztlich eine harte Entscheidung treffen: Vorrang für das Leben oder für Tabus?"

Jesse Dukeminier Jr.

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